Quantitative Easing (for the street)

is a temporary installation at the Kunstplatz (Graben) Vienna. The project was curated by Muntean/Rosenblum and funded by KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) Vienna.

Here you will find documentation as well as additional information related to the research for this  project.


Public Event – Quantitative Easing (for the street)

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A public talk with  Elisabeth Springler  (economist, WU Wien, FH Wien), Andreas Kailich (asset manager) and Beat Weber  (economist, OeNB) took place on Wednesday, June 18 2014, between 18:00 and 19:00 at  Kunstplatz Graben.


Opening

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photo: Gerald Straub

Opening: Tuesday, May 27 2014, at 16:30 pm, Kunstplatz Graben, Graben Nr. 21, 1010 Wien

Opening Speakers:

- Martina Taig, director of KÖR
- Muntean / Rosenblum, artists and curators
- Gerald Nestler, artist and theorist
- Andreas Mailath-Pokorny, city council for Arts and Science


Press Images

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photo: Iris Ranzinger

Public Talk: Wednesday, June 18 2014, 18 Uhr, Kunstplatz Graben,  Graben Nr. 21, 1010 Vienna

- Elisabeth Springler, economist, WU Wien, FH Wien
- Andreas Kailich, asset manager
- Beat Weber, economist, OeNB
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What people most long for in times of continuous drought is rain. Yet, what if the drought is not owed to a shortage of liquidity but to climatic barriers in the ecological system itself?

Axel Stockburger’s art project focuses our attention on such a situation. Quantitative Easing (for the street) is not concerned with vagaries of the weather, though. In one of Vienna’s most liquid places, the artist points out a climatic change in the global economy whose present crisis is not characterized by shortage but by abundance.

Quantitative easing is a strategy in an extreme crisis of confidence in which banks restrict their function as lenders and become barriers within their own ecosystem. In order to prevent a collapse of the money circuit, central banks buy financial assets at the public expense and thus introduce new money into the ailing financial system.

Stockburger transfers quantitative easing from the stock market to the streets – to the terrain of the general public whose social climate is reflected in its level of debt. A golden cylinder serves the artist as the “central bank,” which randomly distributes euro coins in the street. While the financial system mainly serves commercial banks, everybody may make a grab and become an agent of distribution here.

Stockburger‘s intervention in the public realm raises the pressing question what money, the creation of value, and distributive justice mean to us. What are their social, economic and artistic fictions based on? Which desires do they fulfil? Quantitative Easing (for the street) reminds us that the streets are the sites of conflict and “social transactions” (Stockburger) where capital is not everything that matters and aesthetic, social and political wealth is realized.

Gerald Nestler

Production Cedits:

Technische Lösung: Thomas Sandri – http://www.sandri.tv/

Apparatebau Markus Bergler

Verkleidung: Barbara Klampfl - http://www.klampfl.com/

Beratung: Monika Trimmel - http://www.werkraumwien.at/:

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Quantitative Easing (for the street) – Text by Gerald Nestler

Wenn sich die vielzitierten Antipoden der modernen Wirtschaftslehre, John Maynard Keynes und Friedrich August Hayek, in einem einig waren, dann über die destabilisierende Wirkung fehlenden Vertrauens. Wenn nun, wie in der seit Jahren grassierenden Finanzkrise, diese fundamentale Qualität gerade durch ihren Verlust in grelles Licht getaucht wird, zeigt sich die gesellschaftliche Wirkmächtigkeit sozialer Beziehungen über ökonomische Parameter hinaus: Vertrauensmangel ist die Barriere, die das Klima kapitalistischer Tauschbeziehungen vertrocknen lässt.

Axel Stockburgers Intervention im öffentlichen Raum richtet unsere Aufmerksamkeit auf eine solche Situation und verweist damit auf einen Klimawandel im Gefüge der globalen Ökonomie, deren gegenwärtige Krise nicht von Mangel sondern Fülle gekennzeichnet ist.

Der Künstler bereichert den Graben durch ein skulpturales Objekt, dessen eigentliche Werthaltigkeit sich den Passanten erst mittels seiner performativen Qualität offenbart: Vom 27. Mai bis Mitte Oktober schüttet ein augenscheinlich vergoldete Geldspeicher an einem der liquidesten Orte Wiens Geld in Form von Euromünzen aus. Der horizontale Fluss der Menschen wird für die Dauer der Inszenierung von einem zufallsgesteuerten Fluss begleitet, der eine Einladung zur Teilnahme ist. Quantitative Easing (for the street) schließt niemanden aus, ganz im Gegenteil erlaubt es allen, Münzen zu nehmen und weiter zu verteilen, ob sie Flaneure, Touristen, Konsumenten, Geschäftsleute, Bettler, Anwesende oder Anwohner sind.

Das von Muntean/Rosenblum für KÖR kuratierte Kunstprojekt thematisiert auf der wohl traditionsreichsten Flaniermeile und Geschäftsstraße Wiens die Unbeständigkeit, Flüchtigkeit und Ungleichheit ökonomisch definierter Werte. Quantitative Easing (for the street) ist Teil einer langen Tradition künstlerischer Auseinandersetzungen, die sich dem sozialen Phänomen wirtschaftlicher Dominanz und dessen Erscheinungsform Geld widmen. Wie in früheren Arbeiten, in denen Stockburger gegenwärtige Medien wie Filme, Videos und Computerspiele und ihre sprachlichen, gestischen und materiellen Konventionen untersuchte, gilt sein Interesse sozialen Fiktionen, die in diesem Fall sowohl durch Ökonomie als auch Kunst geschaffen werden. Beide verdanken sich Abmachungen und unterliegen dem Wandel. Sie bestimmen unsere Weltanschauung gerade weil sie konstruiert sind.

Ökonomische wie künstlerische Fiktionen sind fragil und spekulativ. Während Kunst Gegenwart nutzt, um Wirklichkeit im Erscheinungsbild zu reflektieren, produzieren etwa Finanzmärkte ein Erscheinungsbild, das sich als zukünftige Wirklichkeit realisieren muss, wenn das Kartenhaus der Spekulationen und Investitionen nicht zusammenbrechen soll. Im Fall einer Wirklichkeit, in der die „Welt“ untergeht, kommt das zum Vorschein, was wir als Wirtschaftskrise bezeichnen.

Stockburgers Kunstprojekt setzt nach dem Ereignis ein, das heute unsere globale Welt bestimmt. Es setzt dort an, wo eine neue Fiktion – die des so genannten Quantitative Easing – diese Welt, vorgestellt als eine Ökonomie, rekonstruiert. Quantitative Easing (for the street) ist somit künstlerische Auseinandersetzung mit einer finanzpolitischen Konstruktion, die eine „Welt“ retten soll, die bereits untergegangen ist. Was dies für die dadurch veränderte soziale Wirklichkeit bedeutet, inwieweit Geld und Kunst als Fiktionen Welt schaffen und worin wir vertrauen bzw. wem wir Vertrauen schenken, sind die Fragen, die Stockburger nicht nur sich selbst, sondern all jenen stellt, die sich am Graben tummeln.

Quantitative Easing

Nachdem die Finanzmärkte im Zuge der Subprimekrise ab August 2007 bereits einige „Schlaganfälle“ überstehen mussten, erlitten sie im September 2008 mit dem Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers einen an sich tödlichen Infarkt. Um in dieser extremen Vertrauenskrise, in der Banken ihre Funktion als Kreditgeber einschränken und zu Barrieren im eigenen Ökosystem werden, einen Kollaps des Geldkreislaufs mit einer unkontrollierbaren Serie von Insolvenzen zu verhindern, kaufen Notenbanken Anleihen auf Kosten aller und lenken so neues Geld (über eine erweiterte Geldmenge) in das marode Bankensystem. Dies zeigt sich etwa in der Bilanzsumme der FED, der US-amerikanischen Notenbank: Lag diese zu Beginn der Finanzkrise bei 900 Milliarden Dollar (2008) ist sie gegenwärtig auf 2.200 Milliarden angewachsen.

Diese wirtschaftspolitische Strategie in extremis wird als Quantitative Easing (kurz QE; zu deutsch: quantitative bzw. monetäre Lockerung) bezeichnet. Sie ist das Pharmakon, das den Markt wiederbeleben soll. Nach dem Zusammenbruch der kreditfinanzierten Wachstumspolitik in künstlichen Tiefschlaf versetzt, erhält und überwacht QE die Lebensfunktionen des Finanzmarkts, der in eine Art Leerlaufmodus geschalten hat: Die Nutznießer parken zugeschossene Gelder großteils sogleich wieder bei den Notenbanken, anstatt sie etwa über Kreditvergabe in die Wirtschaft zu leiten. Die Frage, die QE damit aufwirft – und in einem komplexen, vernetzten derivativen System bedeutet Frage nichts anderes als Wette –, ist, wann bzw. ob das Vertrauen in die Ideologie des Marktes stark genug ist, um ihn als ökonomisch-politisches Projekt aus dem künstlichen Koma zu holen.

QE öffnet Schleusen einer sowohl monetär als auch ideologisch schier unversiegbaren – man ist versucht zu sagen transzendenten – Vertrauensquelle. Anstatt Gelder, Unterstützung und Ermutigung zu den Opfern der Krise zu leiten und das am wenigsten privilegierte Segment der Öffentlichkeit teilhaben zu lassen, wird mit gigantischem Aufwand in jene investiert, die den Kollaps mitverursacht haben während sie über Vermögen verfügen, das nicht aktiviert wird. Unbegrenzte Liquidität wird dem Finanzsektor nicht nur verbal zugesichert, sondern als Geld zur Verfügung gestellt – mit der paradoxen Wirkung, dass die Märkte mit Geld geflutet werden, um sie am Ertrinken zu hindern.

Quantitative Easing (for the street)

Stockburger holt Quantitative Easing von der Börse auf die Straße – und damit auf das Terrain der Allgemeinheit, deren soziales Kima sich in ihrer Verschuldung spiegelt. Die Münzen, die Stockburger im Kasino des ökonomisierten öffentlichen Raums wirft, sind nicht viel mehr als zufallsgesteuerte Tropfen auf den heißen Stein einer sozialen Wirklichkeit, deren Wertfundament zunehmend auf automatisierten Transaktionen wahrscheinlichkeitstheoretisch konstruierter Preise beruht.

Seine künstlerische Geste geht jedoch über das Symbolische hinaus, indem sie das wohl offensichtlichste und gleichzeitig obskurste Objekt der Begierde offeriert, ohne auf Leistung zu pochen. Abgesehen von lokalen Mentalitäten impliziert dies, dass der Gesellschaftsvertrag beschränkter Haftung jenen der sozialen Integration ersetzt. Es handelt sich bei dieser Wette ja um die Konstruktion einer Zukunft, die dazu dient, die Gegenwart zu beherrschen (und nicht umgekehrt). In ihr ist ein Begriff wie Vermögen rein ökonomischen Bedingungen unterworfen. Wo aber bereits die Zukunft marginalisiert ist, dünnt auch die Gegenwart aus und Vermögen korrodiert über sein gesamtes Bedeutungsspektrum hinweg.

Der spärliche Klang der herabfallenden Münzen lässt Raum für die Überlegung, was ein Gesellschaftsvertrag wäre, der vor der Frage nach quantifizierter Schuld, ja vor der darin impliziten Frage nach quantifiziertem Vertrauen ansetzt. Während das Finanzsystem ausschließlich Banken bedient, kann bei Quantitative Easing (for the street) jeder zugreifen und zum Akteur der Verteilung werden. Stockburgers Geldquelle und ihr zwar marginaler aber realer Nutzen weisen somit auf einen sozialen Körper, der das Potential in sich trägt, nicht nur ökonomische Transaktionen, sondern unter anderem politische Handlungen in Gang zu setzen. Quantitative Easing (for the street) setzt somit an qualitativen Erlebnishorizonten an, deren Ereignisse sich in der Fähigkeit – dem Vermögen – zu solidarischem Handeln verwirklichen, die das hochentwickelte Fundament von Gemeinschaften bildet.

Stockburgers Spekulation konterkariert somit jene der Finanzmärkte, indem er mittels Geldmünzen auf die Fülle möglicher kontingenter Ereignisse und Geschichten im öffentlichen Raum setzt, anstatt auf wahrscheinlichkeitstheoretische Profitszenarien und die Ultima Ratio der Abwälzung der Risiken auf die Allgemeinheit. Stockburger interessiert sich für das, was in den Debatten über die Zukunft unterzugehen scheint, obwohl es doch offensichtlich der Kern der gesellschaftlichen Umwälzungen ist, die wir heute erleben: gelebte Gegenwart. Sie ist das Medium eines Potentials, aus dem sich – je nach Orientierung – Vermögen zu bzw. aus Handlungen und Vereinbarungen entwickeln lässt.

Stockburgers Intervention im öffentlichen Raum stellt die brennende Frage, was uns Geld, Wertschöpfung und Verteilungsgerechtigkeit bedeuten. Worauf beruhen ihre sozialen, ökonomischen und künstlerischen Fiktionen, welche Begehren verwirklichen sie, was bedeutet Partizipation? Hier kommt schlussendlich der politische Horizont der Straße ins Blickfeld, auf dem die Münzen zu liegen kommen: Repräsentative Demokratien, zum Derivat finanzökonomischer „Not-Wendigkeit“ verkommen, schaffen das Klima für eine nun politisch-rechtliche Erscheinungsform von Quantitative Easing, indem sie eine demokratische Liquidität beschwören, die gleichzeitig verspielt und liquidiert wird.

Quantitative Easing (for the street) bietet uns die Gelegenheit, den Schwindel zu reflektieren, der uns und unsere soziale Wirklichkeit erfasst und mitgerissen hat. Darüberhinaus erinnert uns der Künstler daran, dass die Straße der Ort „sozialer Transaktionen“ (Stockburger) ist, auf der nicht nur Kapital zählt, sondern sich letztendlich ästhetisches, soziales und politisches Vermögen verwirklicht und Raum schafft.

Gerald Nestler (2014)


The relationship between money and art – 1

Max Haiven, who is an Assistant Professor, Art History and Critical Studies, Nova Scotia College of Art and Design runs a very interesting blog entitled Art & Money where he collects examples of artists working in very different ways  with money as a medium:

http://moneyandart.tumblr.com/

also check out http://maxhaiven.com/

Joe Deville just posted an interesting article entitled “the infrastructure of money” here


Article

Gold, Golden, Gilded, Glittering
Representations of Value, or The Unexpected Double History of Banking and The Art World

is an interesting essay by Rachel Cohen for The Believer Mag.


Article

David Graeber’s article at the guardian about contemporary money creation:

The truth is out: money is just an IOU, and the banks are rolling in it
The Bank of England’s dose of honesty throws the theoretical basis for austerity out the window


about Quantitative Easing

A collection of links to articles about QE:

http://en.wikipedia.org/wiki/Quantitative_easing

funny & simplified  cartoon explanation on youtube:  https://www.youtube.com/watch?v=PTUY16CkS-k

http://www.theguardian.com/business/2012/jul/05/quantitative-easing-explained

http://www.economist.com/blogs/economist-explains/2014/01/economist-explains-7

http://www.peakprosperity.com/blog/80790/qe-for-dummies

http://uneasymoney.com/2014/03/21/the-irrelevance-of-qe-as-explained-by-three-bank-of-england-economists/

http://blogs.lse.ac.uk/europpblog/2013/03/04/quantitative-easing-problems/

http://www.nakedcapitalism.com/2010/11/richard-alford-%E2%80%9Cquantitative-easing-explained%E2%80%9D-and-its-critics.html